Den Menschen in seiner Ganzheit sehen
Palliativversorgung ist ein Ansatz, der die Lebensqualität von Patienten und deren Familien verbessert, die mit den Problemen im Zusammenhang einer lebensbedrohenden Erkrankung konfrontiert sind, dies mittels Prävention und Linderung von Leiden durch frühzeitiges Erkennen und umfassende Erfassung sowie durch die Behandlung von Schmerz und anderen Problemen auf körperlichen, psychosozialen und spirituellen Ebenen.
WHO, 2002
Eine schwere, lebenslimitierende Erkrankung kann vieles verändern: den Alltag, vertraute Beziehungen, das Erleben des eigenen Körpers, persönliche Zukunftsvorstellungen und das Gefühl von Sicherheit und Selbstbestimmung. Zugleich bleiben Menschen weit mehr als ihre Erkrankung – mit ihrer Lebensgeschichte, ihren Bedürfnissen, Wünschen, Hoffnungen und dem, was ihnen wichtig ist.
Die Palliativpsychologie beschäftigt sich mit den psychologischen und psychosozialen Aspekten schwerer Erkrankung, Sterben und Tod. Sie nimmt den Menschen in seinen körperlichen, psychischen, sozialen und spirituell-existenziellen Dimensionen in den Blick und ist Teil der multiprofessionellen Hospiz- und Palliativversorgung.
We have to learn how to feel ‘with’ patients without feeling ‘like’ them if we are to give the kind of listening and steady support that they need to find their own way through.
Cicely SaUnders
Was Menschen bewegt
Angst, Trauer, Wut, Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit können ebenso zum Erleben schwerer Erkrankung gehören wie Fragen nach Sinn, Würde, Selbstbestimmung und dem eigenen Lebensende. Manchmal entstehen Todeswünsche oder die Sorge, anderen zur Last zu fallen. Gleichzeitig können Verbundenheit, Hoffnung und der Wunsch nach Leben weiterhin bedeutsam sein.
Auch An- und Zugehörige erleben vielfältige Herausforderungen. Sie begleiten, sorgen sich, übernehmen Verantwortung und müssen sich mit Veränderungen, Ungewissheit und möglichen Abschieden auseinandersetzen.
Palliativpsychologische Begleitung eröffnet Raum, über diese Erfahrungen und Gefühle ins Gespräch zu kommen – auch über das, was schwer auszusprechen ist oder widersprüchlich erscheint.

Begleiten, ohne Antworten vorzugeben
Im Mittelpunkt palliativpsychologischer Begleitung stehen die individuellen Bedürfnisse und Ressourcen der betroffenen Menschen. Es geht darum, Belastungen wahrzunehmen und nach Möglichkeiten der Linderung zu suchen, vorhandene Stärken zu unterstützen und persönliche Handlungsspielräume zu erhalten oder zu erweitern.
Dabei bedeutet Begleitung nicht immer, Lösungen zu finden oder Veränderungen anzustoßen. Manchmal kann es hilfreich sein, gemeinsam auszuhalten, was schwer oder unveränderbar ist, und einem Menschen in seiner Erfahrung aufmerksam und respektvoll zu begegnen.
Eine akzeptierende, ergebnisoffene, mitfühlende und würdezentrierte Haltung ist dafür von besonderer Bedeutung.
Achtsamkeit und Selbstfürsorge
Achtsamkeits-, Selbstmitgefühls- und Imaginationsübungen können Menschen dabei unterstützen, mit körperlichen und seelischen Belastungen umzugehen, zur Ruhe zu kommen und eigene Ressourcen zu stärken.
Für die Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin des LMU Klinikums München habe ich 14 angeleitete Audioübungen konzipiert und eingesprochen. Sie richten sich insbesondere an Menschen mit schweren Erkrankungen und ihre An- und Zugehörigen und laden dazu ein, unterschiedliche Zugänge zu Achtsamkeit, Selbstmitgefühl und innerer Stärkung kennenzulernen.
Zu den Audioübungen des LMU Klinikums
Ergänzend zu den Audioübungen steht eine Infokarte zur Verfügung, die auf das kostenfreie Angebot aufmerksam macht und über einen QR-Code einen einfachen und direkten Zugang zu den Übungen ermöglicht. Sie kann unkompliziert an Interessierte weitergegeben oder in Einrichtungen ausgelegt werden, um möglichst vielen Menschen die Nutzung der Audioübungen zu ermöglichen.
Infokarte „Achtsamkeitsübungen zum Anhören“ (PDF)
Wenn wir beabsichtigen, einen Menschen zu einer bestimmten Stelle hinzuführen, müssen wir uns zunächst bemühen, ihn dort anzutreffen, wo er sich befindet, und dort anfangen. Wenn ich wirklich einem anderen helfen will, muss ich mehr verstehen als er, aber zuallererst muss ich begreifen, was er verstanden hat … Jede wahre Kunst der Hilfe muss mit einer Erniedrigung anfangen.
Sören Kierkegaard
Mein Bezug zur Palliativpsychologie
Als Psychologin an der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin des LMU Klinikums München verbinde ich klinische Erfahrungen mit wissenschaftlicher Arbeit und Lehre.
Ein besonderes Anliegen ist mir die Weiterentwicklung der Palliativpsychologie als fachlich fundierter und eigenständiger Bestandteil der Hospiz- und Palliativversorgung. In meiner wissenschaftlichen Tätigkeit beschäftige ich mich insbesondere mit psychologischen Interventionen und deren Anwendung in der palliativpsychologischen Praxis.
Palliativpsychologische Begleitung gehört auch zu meinem eigenen psychologischen Beratungsangebot. Sie richtet sich an Menschen mit lebenslimitierenden Erkrankungen sowie an An- und Zugehörige, die sich mit den vielfältigen Herausforderungen schwerer Erkrankung und des Lebensendes auseinandersetzen.
Wir haben Angst vor dem Tod, wir haben Angst vor der Trennung, wir haben Angst vor dem Nichts. Wenn wir aber tief schauen, erkennen wir den unaufhörlichen Wandel der Dinge und verlieren allmählich unsere Angst.
Thich Nhat Hanh
Fachliches Engagement und Vernetzung
Als Sprecherin der Sektion Psychologie der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) engagiere ich mich für den fachlichen Austausch, die Vernetzung und die Weiterentwicklung der Palliativpsychologie. Dazu gehört auch die Mitgestaltung und Organisation der Fachtagungen Palliativpsychologie, die wissenschaftliche Erkenntnisse, Erfahrungen aus der Praxis und unterschiedliche fachliche Perspektiven miteinander verbinden.
Eine wichtige Rolle für die Qualifizierung von Psychologinnen und Psychologen spielt das Institut für Palliativpsychologie (IfP) mit seinen spezifischen Weiterbildungsangeboten. Die fachliche Weiterbildung und die Förderung palliativpsychologischer Kompetenzen sind wesentliche Voraussetzungen für die Weiterentwicklung dieses noch jungen Fachgebiets.





